Waldgarten – eine Besonderheit zwischen Wald und Garten

Es gibt so viele unterschiedliche Gartensysteme, dass die Vorstellung von Waldgärten für viele Menschen oft für Verwirrung sorgt. In diesem Beitrag möchte ich einen Überblick über die Vielfalt an Gestaltungsmöglichkeiten geben und dann die Besonderheiten von Waldgärten herausstreichen. Zuvor aber möchte ich gleich einen großen Irrtum aus der Welt schaffen – ein Waldgarten ist kein Wald.

Als Wald wird eine mit Holzgewächsen dauerhaft bepflanzte Fläche bezeichnet, bei denen die Holznutzung im Vordergrund steht. Beispielsweise finden sich im österreichischen Forstgesetz die für einen Wald typischen Baumarten genau aufgelistet. Darunter sind bis auf einige Ausnahmen (Walnuss, Edelkastanie, Haselnuss, Speierling) keine Bäume mit essbaren Früchten.

Um die Besonderheiten eines Waldgartens aufzuspüren, sollten wir uns daher eher von der Gartenseite annähern, aber auch hier gilt, nicht jeder Garten ist ein Waldgarten. Grundsätzlich ist ein Garten ein abgegrenztes Stück Land, auf dem verschiedenste Pflanzen mit ganz unterschiedlichen Motivationen kultiviert werden. Neben der Nahrungsfunktion und der Erholungsfunktion machen eine Vielzahl von anderen Beweggründen jeden Garten zu einem individuellen Kunstwerk.

In den Bauerngärten und klassischen Hausgärten überwiegt vor allem die Nahrungsmittelversorgung. Die vielzählige Blumenpracht zeigt aber, dass von jeher auch eine ästhetische Absicht dahintergestanden ist.

Aus den Klostergärten entwickelten sich eine Vielzahl an Kräutergärten, um die sich im Laufe der Jahrhunderte ein breites Wissen über die Heilkraft einzelner Pflanzen gebildet hat. Die Pflanzenmedizin ist weltweit auch heute noch weit stärker verbreitet als die pharmazeutische Medizin.

Landschaftsgärten, Parks und botanische Gärten verfolgten seit jeher vor allem im öffentlichen Raum das Ziel, den Erholungswert von Gärten mit einer Artenvielfalt zu kombinieren, seltene Pflanzen zu erhalten bzw. exotische Pflanzen ins Bewusstsein zu rücken.

In einer Vielzahl an Nutzgärten steht der wirtschaftliche Ertrag im Vordergrund. In diese Gruppe fallen alle Obst- und Gemüsegärten und auch hier hat sich im Laufe der Zeit, speziell durch die Verbreitung der biologischen Landwirtschaft, ein breites Erfahrungswissen aufgebaut.

Diese Auflistung lässt sich wahrscheinlich noch endlos weiterführen. Im Bereich der Gartengestaltung hat sich schon immer die große Kreativität der Menschen widergespiegelt. Um euch einen Impuls zu geben, selbst die Liste der unterschiedlichen Gartensysteme weiter zu denken, will ich nur an Therapiegärten, Lustgärten oder Wassergärten erinnern.

Eine Form der Gartengestaltung scheint mir aber sehr gut geeignet, um uns nun den Waldgärten anzunähern – der Schattengarten. In diesem Gartensystem wird versucht, die Vielfalt an schattenverträglichen Pflanzen zu nutzen. Im Onlinekurs werde ich mich mit euch in einer eigenen Lerneinheit mit diesem Thema beschäftigen. Die wenigsten von uns wissen, dass es auch eine Vielzahl von schattenverträglichen Gemüsen gibt, die sich hervorragend in das Gartensystem integrieren lassen.

Was zeichnet jetzt aber einen Waldgarten aus?
Waldgärten sind einer jungen Waldgesellschaft nachempfundene Pflanzengesellschaften mit unterschiedlichen Wuchshöhen und verfügen über eine Vielzahl an essbaren Bäumen, Sträuchern, Kräutern und Wurzeln. In der Waldgartengestaltung wird vor allem auf die Himmelsausrichtung und damit auf die Beschattung geachtet. Eine durchdachte Wegführung im Waldgarten macht es möglich, mit einem geringen bis gar keinen Maschineneinsatz einen höchstmöglichen Ertrag zu erzielen. Ein besonderes Kennzeichen von Waldgärten sind die unterschiedlichen Wuchshöhen. Wir unterscheiden in einem Waldgarten:

1) hohe Baumschicht
2) niedrig wachsende Baumschicht
3) Strauchschicht
4) Krautschicht
5) Bodendecker
6) Wurzelschicht
7) Rankpflanzen

Diese sieben Schichten so miteinander zu kombinieren ist die Kunst der Waldgartengestaltung. Dafür braucht es ein Gespür für die Bedürfnisse der einzelnen Pflanzen, das Wissen um die gegenseitigen Wechselbeziehungen und vor allem auch eine Klarheit darüber, was ich als Waldgärtnerin bzw. als Waldgärtner beabsichtigen will?
Soll die Nahrungsproduktion im Vordergrund stehen? Möchte ich einen Ort der Artenvielfalt schaffen, um Mitlebewesen einen Rückzugsraum zu ermöglichen? Soll der Waldgarten der Erholung dienen? Soll es ein öffentlich zugänglicher Waldgarten sein, in dem Menschen sich gegenseitig austauschen können? Je nach Zielsetzung wird sich der Waldgarten anders präsentieren.

Allen Gestaltungsmöglichkeiten gemeinsam ist aber die Ausrichtung im Waldgarten: hochwüchsige Pflanzen werden eher im Nordteil des Grundstückes gepflanzt, sonnenliebende Pflanzen sammeln sich im Südteil des Waldgartens. Je nach Größe des Grundstückes kann mit der Gestaltung von Lichtungen wiederum mehr Platz für die Bedürfnisse der einzelnen Pflanzen geschaffen werden.

Ein weiterer Aspekt, der Waldgärten so besonders macht, zeigt sich in der Zonierung. Die Permakultur kennt – je nach Bewirtschaftungsintensität – fünf unterschiedliche Zonen, wobei die Zone eins jene Zone ist, die wir am häufigsten aufsuchen. Die Häufigkeit der Besuche, sowie die Intensität der Nutzung nimmt dann von Zone zwei über Zone drei und vier immer weiter ab, bis sie in Zone fünf praktisch nicht mehr vorhanden ist. Diese Zone bezeichnet man als Wildniszone. In Zone fünf sind wir lediglich Beobachter. Diese Bereiche werden nicht vom Menschen wirtschaftlich genutzt.

Nach dem Zonierungsmodell der Permakultur wäre der Waldgarten eher in der Zone 4 – der extensiven, waldähnlichen Bewirtschaftung – angesiedelt. Dadurch, dass wir in einem Waldgarten aber eine Vielzahl an essbaren Pflanzen haben und auch die Erholungsfunktion eine erhebliche Rolle spielt, schiebt sich der Waldgarten nach vorne und wird, trotzt waldähnlichem, dichten Bewuchs eher zur Zone 1 oder Zone 2.

Wie ihr seht, ist ein Waldgarten ein ganz besonderer Garten und die Vielfalt an Gestaltungsmöglichkeiten ist nahezu unbegrenzt. Ich freu mich schon darauf, diese Vielfalt mit euch in unserem Onlinekurs herauszuarbeiten. Für heute wünsch ich euch eine gute Zeit bei euren Gartenarbeiten.

Liebe Grüße und bis bald!

Euer Waldgärtner
Reinhard
Geben wir der Natur ein Stück Land zurück.

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