Agrarstruktur in Österreich

Auch mit dem in der vorliegenden Arbeit verwendeten Fragebogen kann die Suche nach den Ursachen, warum Klein- und Kleinstbetriebe sowie Nebenerwerbsbetriebe seltener eine gesicherte Hofnachfolge aufweisen und daher häufiger von Betriebsaufgaben betroffen sind, in mehrerer Hinsicht erfolgen. Einerseits kann die Zufriedenheit in Bezug auf die wirtschaftliche bzw. allgemeine Berufszufriedenheit abgefragt werden. Andererseits kann über die Einschätzung der langfristigen Überlebensfähigkeit ein Zusammenhang mit der Erwerbsart und der Betriebsgröße dargestellt werden. Der vorliegende Datensatz liefert zu diesen Fragen folgendes Ergebnis: bezogen auf die wirtschaftliche Zufriedenheit gibt es einen hoch signifikanten Unterschied (p<0,01) zwischen Haupt- und Nebenerwerbsbetrieben. Die Frage: „Wie sehr sind Sie mit der wirtschaftlichen Situation Ihres Betriebes zufrieden?“ beantworten 8,9% der Haupterwerbsbetriebe aber nur 2,5% der Nebenerwerbsbetriebe mit „sehr zufrieden“. „Sehr unzufrieden“ mit der wirtschaftlichen Situation des Betriebes sind hingegen nur 4,2% der Haupt-  aber 11,5% der Nebenerwerbsbetriebe. Betrachtet man den zuvor beschriebenen Zusammenhang zwischen der einkommensbildenden Wirkung der öffentlichen Gelder und der Betriebsgröße, so zeigt sich auch im Untersuchungsgebiet, dass Nebenerwerbsbetriebe viel häufiger Betriebe mit geringer Flächenausstattung bewirtschaften als Haupterwerbsbetriebe. Lediglich 4,4% der Haupterwerbsbetriebe weisen eine Flächenausstattung von bis zu zehn Hektar auf, andererseits fallen in diese Gruppe jedoch 30,7% der Nebenerwerbsbetriebe. Andererseits bewirtschaften 24,3% der Haupterwerbsbäuerinnen und -bauern Betriebe mit mehr als 50,0 ha, jedoch nur 4,3% der Nebenerwerbsbetriebe. Es liegt somit der Schluss nahe, dass die geringere Bereitschaft zur Hofnachfolge und damit einher gehend eine größere Wahrscheinlichkeit zur Betriebsauflösung bei Nebenerwerbsbetrieben durch einen maßgeblichen Anteil an mangelnder Einkommensbildung und daraus resultierend an mangelnder wirtschaftlicher Zufriedenheit resultiert.

Bei der Berechnung des Zusammenhanges zwischen der wirtschaftlichen Zufriedenheit der Betriebsleiter/innen mit der Betriebsgröße zeigt sich darüber hinaus ein signifikanter (p<0,05) Unterschied dahingehend, dass in der Gruppe der Betriebe unter zehn Hektar kein/e einzige/r Befragte/r mit der wirtschaftlichen Situation sehr zufrieden ist, jedoch 18,3% der Betriebsleiter/innen von Betrieben über 50 ha mit ihrer wirtschaftlichen Situation sehr zufrieden sind. Nun mag die Zufriedenheit bzw. die Unzufriedenheit mit der wirtschaftlichen Situation des Betriebes vielfältige Gründe haben. Einerseits kann die Zufriedenheit mit der wirtschaftlichen Situation des Betriebes bei Nebenerwerbsbetrieben darunter leiden, dass aufgrund der mehrfachen beruflichen Tätigkeiten bestimmte ertragssteigernde Tätigkeiten nicht termingerecht erfolgen können und dies den Betriebserfolg schmälert. Diese möglichen Ertragseinbußen reichen aber als Erklärung für eine derartig unterschiedliche Einkommenssituation, wie sie HOFSTÄTTER (2008) darstellt, nicht aus. Es darf mit großer Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden, dass die geringere wirtschaftliche Zufriedenheit bzw. die höhere Unzufriedenheit mit der wirtschaftlichen Situation bei den Klein- und Kleinstbetrieben und auch bei den Nebenerwerbsbetrieben durch die offensichtliche Benachteiligung im derzeitigen agrarpolitischen System begründet liegt.

Ergänzend zur wirtschaftlichen Zufriedenheit wurde im Fragebogen auch die Berufszufriedenheit abgefragt. Auf das Statement: „Ich bin mit meiner Berufswahl (Landwirt/in) zufrieden.“ antworteten 70,4% der Haupterwerbsbetriebe mit voll bzw. eher zufrieden, aber nur 48,0% der Nebenerwerbsbetriebe. Unzufrieden bzw. eher unzufrieden sind dem gegenüber 7,4% der Haupterwerbsbetriebe und 17,9% der Nebenerwerbsbetriebe. Dadurch ergibt sich eine statistisch höchst signifikante (p<0,001) Abweichung, die den Umstand erläutert, dass Betriebsleiter/innen von Nebenerwerbsbetrieben häufiger mit ihrer landwirtschaftlichen Berufswahl unzufrieden sind als Betriebsleiter/innen im Haupterwerb. Der Zusammenhang zwischen der Berufszufriedenheit und der Betriebsgröße zeigt ein ähnliches Bild. Mit einem höchst signifikanten Unterschied bezeichnen 13,6% der Betriebe unter zehn Hektar ihre Berufszufriedenheit als nicht zutreffend, aber kein/e einzige/r Betriebsleiter/in mit einem Betrieb über 50 ha gibt eine nicht zutreffende Antwort auf die Frage nach der Berufszufriedenheit. Da die Berufszufriedenheit der Betriebsleiter/innen jedoch, wie auch bei FASTERDING (1995) nachgewiesen, einen maßgeblichen Einfluss auf die Hofnachfolge hat, verwundert es nicht, dass Nebenerwerbsbetriebe seltener Hofnachfolger/innen aufweisen als Haupterwerbsbetriebe.

Like uns bitte in
den sozialen Medien …

Schreib uns eine Mail …

Oder poste einen Kommentar auf der Seite unten, oder in userem  Forum!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.